Eine kleine Lehrstunde zum Thema Porzellan

Arbeiterinnen in der Oscar Schlegelmilch Porzellanmanufaktur
Arbeiterinnen in der Oscar Schlegelmilch Porzellanmanufaktur

Die sieben wichtigsten Dinge, die man über Porzellan wissen sollte…

  1. Begriff Porzellan leitet sich vom italienischen Namen für Kaurischnecken ("porcellana") ab
  2. Um 620 n.Chr. wurde der Herstellungsprozess von Porzellan in China entwickelt
  3. Um 1300 n. Chr. brachte Marco Polo das erste Porzellan aus China nach Europa (Italien)
  4. Porzellan besteht aus Kaolin, Feldspat und Quarz (je nach Mengenverhältnis der Bestandteile erhält man Hart- oder Weichporzellan); weitere Materialien und Mischverhältnisse sind das Betriebsgeheimnis einer jeden Manufaktur
  5. Porzellan grenzt sich zu Keramik durch das Sinterverhalten ab (Halbtransparenz des Porzellans)
  6. Merkmale von Porzellan:

    • besitzt einen dichten Scherben (gebrannter Ton)
    • muscheliger Bruch
    • große Härte
    • heller Klang
    • ist säure- und laugenbeständig
    • mehr oder weniger transparent (abhängig von Dicke)
    • gut isolierfähig gegen Elektrizität
    • schlecht wärmeleitfähig

  7. Porzellanherstellung:

    • Porzellangemisch wird verflüssigt und in hohle, aus mindestens zwei Teilen bestehende, Gipsformen gegossen - Gipsformen entziehen flüssiger Masse Wasser - Masse setzt sich an Innenwand der Form ab bis gewünschte Dicke erreicht ist - restliche Masse wird abgegossen - Gipsformen ruhen - Rohling werden aus Form geholt, getrocknet und entgratet - weitere Bestandteile (z.B. Henkel) werden angeklebt; heutzutage neue Verfahren und Technologien (z.B. Spritzgießverfahren)
    • 1. Brennvorgang = Schrühbrand (bei 900°C - 1000°C) dauert 18-20 Stunden; Resultat: noch zerbrechliche, roséfarbene Porzellanform
    • Bei anschließender Glasur werden Farbkörper, Engoben (Tonschlicker) oder Metallsalze als Auf-, In- oder Unterglasurdekor aufgebracht
    • 2. Brennvorgang = Glattbrand (bei 1100°C - 1480°C) dauert ca. 30 Stunden; Glasur schmilzt und überzieht roséfarbenes Porzellan mit Außenhaut (außerdem ein "Schrumpfen" der Form zu verzeichnen = Eigenart der Porzellanherstellung); Resultat: gebrauchsfertiges Porzellan in weiß oder mit Unterglasur
    • Weitere Dekorierungen durch Spritztechnik, Handmalerei, Auftragen von Klebefolien oder Edelmetallen
    • Weitere Brennvorgänge sind abhängig von der Art des Dekors (Dekorbrand bei ca. 850°C)